Auf ein Glas mit …

... Anna Schilling – Sommelière

3 Fragen an unsere Sommelière Anna

 

Alter: 28 Jahre

 

Im einsunternull-Team seit: März 2019

 

Ausbildung: Steinheuers Restaurant Zur Alten Post**/
Bad Neuenahr-Ahrweiler, Zertifikat Court of Master Sommeliers/Introductory Sommelier Certificate

Mit 28 schon Sommelière in einem Sterne Restaurant in Berlin und das sogar mit Zusatzausbildung: Das CMS hast du noch neben deiner Arbeit im einsunternull absolviert. Bist du immer so zielstrebig?

Ich würde sagen: Ich bin gut organisiert und wenn mir etwas Spaß macht, schaffe ich auch eigentlich immer, was ich mir vorgenommen habe. Aber ganz ehrlich: Diese verrückten Corona-Monate waren schon … ich nenne es mal herausfordernd. Wir haben uns ja mit unserer Charity-Aktion Mach MAHL!, dem Launch unseres neuen Online-Shop ‚Kaufhalle‘ und damit verbunden dem hauseigenen Lieferservice unseres ‚Berliner Proviants‘ nicht gerade zurückgelehnt. Da kam unsere Sommerpause jetzt im August wirklich zur rechten Zeit.

„Anna bereichert seit März 2019 das einsunternull als Sommelière
mit ihrem feinen Gespür für das Besondere im Glas."

Ivo Ebert, Inhaber & Gastgeber einsunternull

 

 

Was für eine Auszeichnung von Ivo, der selbst Sommelier ist! Wie ist eure Zusammenarbeit auf diesem Posten?

Sehr angenehm und vertrauensvoll – wie übrigens mit jedem hier im Team. Wir sind wirklich eine super gut auf einander eingestimmte Gemeinschaft. Das schätze ich auch mit am meisten an meiner Arbeit hier. Aber davon abgesehen würde ich ganz uneingebildet sagen: Wenn Ivo nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass ich auch seinen Part als Sommelier gut übernehmen könnte, hätte er mich vermutlich auch nicht ins einsunternull geholt – wir kennen uns ja schon seit 2012 aus dem Reinstoff.

Anna, magst du den Satz für uns beenden: „Berlin ist für mich …“

… die Kantstraße. Das ist ganz klar mein Lieblingsort. Wenn man wie ich die asiatische Küche liebt, gibt es hier einfach eine überwältigende Vielfalt der top Restaurants in Berlin. Für mich die besten deutschlandweit. Ich esse privat gern einfach und unkompliziert, natürlich am liebsten mit meinen guten Schlückchen Wein oder auch einem Bier vom Fass. Beides kann man in Charlottenburg wunderbar.

Und für dich muss natürlich die Zusatzfrage sein: Was ist dein Lieblingswein im einsunternull?

Schwierige Frage bei einem Weinkeller mit über 430 Positionen! (nach kurzer Bedenkzeit) Dann nehme ich den Barbacalo von Lino Maga, Jahrgang 1996.

Der Wein hat für mich Ecken und Kanten und genau das liebe ich so sehr daran. Lino Maga ist ein störrischer, aber gutmütiger Mensch. Ein leidenschaftlicher Raucher, der mit unglaublicher Energie darauf achtet, dass nichts geändert wird. Das schmeckt man bei dem Barbacalo mit jedem Schluck. Es ist ein Wein aus einer anderen Zeit, in dem man noch mit echter Hingabe und Handwerklichkeit arbeitet. Vielleicht muss kurz ausholen, damit man seinen besonderen Charakter besser versteht:

Lino Maga besitzt etwa 18 ha Land, davon nur 8 ha Rebfläche in Oltrepo Pavese, im Dörfchen Broni. Der Weinberg aus Tuffstein und Kies (ideal für Rotweine, Anm. d. R.) liegt auf 300 Metern über dem Meeresspiegel und hat etwa 70% Neigung, ist bepflanzt mit einem gemischten Satz aus Croatian-, Uva rara- und Ughetta-Reben und ca. 40-60 Jahre alt. Der Ertrag ist extrem niedrig: 0,3-0,35 kg/m2., also nur vielleicht 15.000 Flaschen. Im Weinberg werden keinerlei Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt und noch alles per Hand gemacht. Im Weinkeller kommen die Trauben in alte Eichenbottiche, dort werden sie gepresst und entrappt, und haben eine Maischestandzeit von sieben oder acht Tagen. Anschließend erfolgen das Trennen vom Trester und das Keltern durch Naturhefen. Nur bei abnehmenden Halbmond wird umgepumpt. Zur Klärung benutzen sie keine Filter – das Ganze passiert nur durch Absetzen der Flüssigkeit.

Schon beim ersten Anblick und Riechen kann man diese Winzerliebe erahnen: Ich finde neben seiner granatroten Farbe vor allem die Aromen von roten Früchten, lilanen Blumen und Rosen faszinierend. Auf der Zunge erlebt man würzige Noten, lebendige Tannine und eine ihm eigene Frische. Ich habe diesen Wein ausgewählt, weil sich dieser einzigartige Charme nur schwerlich ein zweites Mal finden lässt.