einsunter bis einsüber

Richard und Kerstin Östreicher vom Weingut Östreicher

Generationsübergreifende Leidenschaft, die verbindet

Weingut : Weingut Östreicher

Einsunternull series: 2015 Cabernet Sauvignon

Lage: Franken

Eins haben unsere Sommelière Anna Schilling, Richard Östreicher und seine Frau Kerstin definitiv gemeinsam: ihre Leidenschaft für gute Weine. Perfekte Grundlage also für ein lauschiges Gespräch über den Bewusstseinswandel der Winzer*innen, ökologischen Weinbau und Wein als Kulturgut. Begleitet wurde das ganze natürlich von einem guten Tropfen Wein,  in diesem Falle dem 2018 Silvaner “Maria im Weingarten aus der einsunternull series.

Anna Schilling: Richard, ihr habt 1995 das Weingut von deinen Eltern übernommen. Sind sie stolz darauf, was ihr aus dem Weingut, den Reben und aus den Weinen generell gemacht habt?

Richard Östreicher: Meine Eltern haben mir damals das Weingut übergeben und mich frank und frei arbeiten lassen, was ich dann auch getan habe. In meinem Vater hatte ich einen Kritiker, der die Traubenreduzierung nicht so gerne gesehen hat. Er stammt aus einer Generation, die nichts wegwirft! (lacht) Als er jedoch gemerkt hat, wie sich die Weine geschmacklich entwickeln, hat es ihn dann doch stolz gemacht.

 

AS: Wie läuft denn bei euch so eine Lese ab?

RÖ: Also erst einmal essen wir am Abend vorher brav die Teller auf, damit am nächsten Tag die Sonne scheint. (zwinkert) Morgens gehen wir für den Rotwein meistens erst gegen 9 Uhr raus, damit die Laubwand abgetrocknet ist, falls es am Morgen Nebel gab. Bei dem Weißwein trifft man sich möglichst früh, so gegen 7 Uhr spätestens, und dann geht es raus in den Weinberg. Die Trauben werden dann wie im Burgund geerntet und in eine Kiste gelegt, nicht geworfen! Die Traube soll ja nicht verletzt werden, sondern komplett gesund ins Weingut kommen.

AS: Merkt ihr schon etwas vom Klimawandel? Wird es wärmer bei euch?

RÖ: Wenn ich ganz ehrlich bin, ernten wir mittlerweile ein paar Tage früher und die Qualität hat sich erhöht. Allerdings nicht aufgrund des Klimawandels, sondern aufgrund des Bewusstseins einiger Winzer hier, die einfach merken, dass die Qualität sich erhöht, wenn sie weniger ernten. Es geht also weg von der Massenproduktion hin zur Selektion. Für uns ist Wein ein Kulturgut, mit dem wir einen Fingerabdruck des Jahrgangs und der Lage haben wollen. Sonst nichts.

Kerstin Östreicher: Wein und Weinanbau gelten auch zurecht als Kulturgut in Deutschland und Europa, weil damit eben so schöne Geschichten erzählen werden können.

 

AS: Ja, da stimme ich euch voll zu. Ihr arbeitet ja auch komplett ökologisch. Habt ihr dort eine Zertifizierung beantragt?

RÖ: Wir sind jetzt seit diesem Jahrgang berechtigt, das Siegel zu tragen und sind seit 2018 zertifiziert. Wir haben auch vorher schon nach den Öko-Vorgaben gearbeitet, unser Weingut allerdings noch nicht zertifizieren lassen. 2018 haben wir uns zu diesem Schritt entschieden, um uns ganz klar dazu zu bekennen.

KÖ: Wir haben uns lange dagegen gesträubt und wollten eigentlich nur unseren Wein produzieren und sonst nichts. Aber um uns eindeutig zu verifizieren, sind wir irgendwann um diesen Schritt nicht mehr herum gekommen. Aber wie gesagt, die ökologische Bewirtschaftung war vorher schon vorhanden. Insgesamt findet eine Bewusstseinsveränderung statt, dass mit den Ressourcen anders umgegangen werden muss und die Umwelt nicht bis zum Letzten ausgebeutet werden kann. Wir trinken den Wein bewusst und genauso bewusst musst er auch produziert werden.

 

AS: Noch eine gemeine Frage zum Schluss: Habt ihr eine Lieblingsrebsorte?

RÖ: Wir trinken natürlich gerne trockene Weißweine, bevorzugt weiße Burgunder, deswegen wollten wir den Silvaner auch so belassen, wie er ist und ihm keine zusätzlichen Aromen hinzufügen. Da waren wir anfangs auch erst selbst überrascht, dass er dem Burgunder so ähnelt, aber dennoch eine eigene, feine, elegante Rebsorte ist.

KÖ: Also, von Chardonnay und Spätburgunder können wir eigentlich nie genug bekommen, die lieben wir schon sehr. Ab und zu darf’s aber auch mal ein Bordeaux sein.